Starke Gefühle: Wut

Starke Gefühle: Wut

Starke Gefühle: Wut

Eine Freundin erzählte mir letztens, sie wäre in eine Situation gekommen, in der sie einem Cocktail von starken, unangenehmen Gefühlen ausgeliefert war. Das Erschreckende für sie war, dass der Anlass dazu, ihrer Meinung nach, eher lächerlich und belanglos war.

Sie hatte etwa 2 Stunden Zeit und wollte diese dazu nutzen in die Bibliothek einer ca. 20 km weit entfernten, größeren Stadt zu fahren, da diese eine bessere Buchauswahl hatte. Sie wollte dazu den öffentlichen Nahverkehr benutzen. Also packte sie ihre Tasche und nahm das Fahrrad, um zum Bahnhof zu fahren. Dort angekommen wartete sie auf den Zug, der letztlich auch nach 45 Minuten, ohne Informationen der Bahn, nicht kam. Seit sie auf dem Bahnsteig war, hatte es zu regnen angefangen und sie fror ein bisschen.

Sie überlegte, was sie tun solle und plötzlich liefen ihr die Tränen über die Wangen. Sie erschrak etwas und ärgerte sich darüber. Dann hoffte sie, dass sie niemand so sieht, denn mittlerweile waren sehr viele Menschen am Gleis, die auch verärgert auf den Zug warteten. Sie schämte sich über ihre Heulerei und wurde wütend auf sich selbst, auf die Bahn und auf die Menschen an dem Gleis.

Sie fuhr unerledigter Dinge nach Hause und reflektierte über das Erlebte. Marshall Rosenberg (gewaltfreie Kommunikation) sagt in seinem Buch „Was die Wut dir sagen will“, dass Wut ein Hinweis auf nicht beachtete Bedürfnisse sei. Hinter der Wut steckt ein oder mehrere Bedürfnisse.

Meine Freundin konnte ihre Bedürfnisse hinter der Wut entdecken. Sie wollte ihre freie Zeit von 2 Stunden sinnvoll nutzen und nicht sinnlos am Gleis stehen. Sie wollte sich auf ein System wie den öffentlichen Nahverkehr verlassen könnenSie wollte sich körperlich wohl fühlen und nicht frieren. Sie wollte in der Öffentlichkeit geschützt sein und sich nicht ihrer Tränen schämen müssen.

Die Bedürfnisse nach Sinnhaftigkeit, Sicherheit und Schutz wurden nicht beachtet.

Der Anlass für die Tränen war anfangs von meiner Freundin als lächerlich und belanglos bewertet worden, nach der Erkenntnis über die Bedürfnisse nicht mehr. Es ist wichtig, unsere Bedürfnisse zu erkennen und wertschätzend mit ihnen umzugehen. Wer seine Bedürfnisse beachtet und sie ernst nimmt, wird voraussichtlich z.B. von Wut weniger überrollt. Wer sich selbst und seine Bedürfnisse ernst nimmt, kann auch wohlwollender und wertschätzender mit der Familie, Freunden und Kollegen umgehen und Beziehungen verbessern. Ich finde, es lohnt sich sehr, seinen Bedürfnissen genauer nachzugehen. 

Viel Spass dabei

 

 

 

 

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